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Rosmarin für den Kreislauf: Muntermacher bei niedrigem Blutdruck

Wenn der Kreislauf morgens nur schwer in Gang kommt: Wie Rosmarin als Tee und ätherisches Öl traditionell belebt – und wann er gerade nicht passt.

Frischer Rosmarinzweig neben einer dampfenden Tasse Rosmarintee und einem Braunglasfläschchen mit ätherischem Öl auf hellem Holztisch im Morgenlicht

Manche Menschen kommen morgens nur schwer in Gang: Der Kreislauf braucht lange, um auf Touren zu kommen, beim raschen Aufstehen wird es kurz schwindlig, und über den Vormittag bleibt eine gewisse Trägheit. Wer zu niedrigem Blutdruck neigt, kennt dieses Gefühl gut. In der Kräuterküche gilt der Rosmarin seit Langem als anregendes, belebendes Kraut – ein Muntermacher, der traditionell gerade dann geschätzt wird, wenn der Kreislauf einen sanften Anstoss vertragen könnte. Dieser Beitrag ordnet ruhig ein, wie Rosmarin als Tee und als ätherisches Öl genutzt wird, worauf es beim Timing ankommt – und warum er bei hohem Blutdruck gerade nicht die erste Wahl ist.

Wie Rosmarin den Kreislauf anregt

Rosmarin (Salvia rosmarinus, früher Rosmarinus officinalis) gehört zu den aromatischsten Küchenkräutern überhaupt. Sein durchdringender, harzig-frischer Duft stammt aus den ätherischen Ölen der nadelförmigen Blätter – und genau dieser Duft hat dem Kraut seinen Ruf als Muntermacher eingetragen. In der überlieferten Erfahrungsheilkunde gilt Rosmarin traditionell als anregend und belebend, also als Gegenspieler zu den beruhigenden Kräutern. Klassischerweise ist er damit ein Kraut für den Morgen, nicht für den ruhigen Ausklang des Tages.

Wie genau Rosmarin auf den Kreislauf wirkt, ist wissenschaftlich nicht abschliessend geklärt. Diskutiert wird ein Zusammenspiel mehrerer Ebenen: der anregende Sinnesreiz des intensiven Duftes, die Bitter- und Gerbstoffe der Blätter, die traditionell die Verdauung unterstützen, und Bestandteile des ätherischen Öls, die den Kreislauf leicht in Schwung bringen sollen. Belegt ist vor allem die lange Erfahrung; die moderne Forschung dazu ist überschaubar. Anders als die Rosskastanie, deren standardisierter Samenextrakt gezielt auf die Venenwände bei schweren Beinen zielt, richtet sich Rosmarin eher an Menschen, deren Kreislauf allgemein etwas träge in Gang kommt.

Steckbrief

Verwendeter Teil: Nadeln (Blätter) und ätherisches Öl des Rosmarins (Salvia rosmarinus).

Traditionell geschätzt bei: träger Kreislauf, niedriger Blutdruck, morgendliche Trägheit.

Formen: Tee (innerlich), ätherisches Öl als Duft oder Badezusatz (äusserlich).

Gut zu wissen: ein Kraut für den Morgen – nicht am späten Abend, bei Bluthochdruck nur nach Rücksprache.

Hilft Rosmarin bei niedrigem Blutdruck?

Niedriger Blutdruck (Hypotonie) ist in aller Regel harmlos und keine Krankheit im eigentlichen Sinn – im Gegenteil gelten dauerhaft eher tiefe Werte langfristig als günstig fürs Herz-Kreislauf-System. Als Orientierung spricht man von niedrigem Blutdruck oft ab einem systolischen Wert unter etwa 100 mmHg. Unangenehm wird es vor allem durch die Begleiterscheinungen: Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, kalte Hände und Füsse oder der kurze Schwindel beim schnellen Aufstehen. Genau hier setzt die traditionelle Anwendung von Rosmarin an – nicht um eine Krankheit zu behandeln, sondern um dem trägen Kreislauf einen sanften Impuls zu geben.

Zur Frage, ob Rosmarin bei niedrigem Blutdruck tatsächlich etwas bewirkt, gibt es erste Hinweise. Eine kleine kontrollierte Studie mit ätherischem Rosmarinöl bei Menschen mit dauerhaft niedrigem Blutdruck deutet darauf hin, dass sich die Werte über die Anwendungszeit dem Normalbereich annäherten und die Betroffenen ihre Lebensqualität besser bewerteten. Diese Beobachtung ist interessant, ihre Aussagekraft wegen der geringen Teilnehmerzahl aber begrenzt – ein Beleg für eine heilende Wirkung ist sie nicht. Wie bei vielen Herz-Kreislauf-Pflanzen braucht es ausserdem Geduld: Ähnlich wie beim Weissdorntee fürs Herz ist ein möglicher Nutzen eher eine Sache der ruhigen, regelmässigen Anwendung als eines schnellen Effekts.

Rosmarintee als Muntermacher zubereiten

Die einfachste Form ist der Tee. Dafür übergiesst man ein bis zwei Teelöffel getrocknete Rosmarinnadeln – oder einen kleinen frischen Zweig – mit rund 250 Millilitern heissem Wasser und lässt den Aufguss abgedeckt fünf bis zehn Minuten ziehen. Das Abdecken ist kein Detail: Es hält die flüchtigen ätherischen Öle in der Tasse, die sonst mit dem Dampf entweichen. Der Geschmack ist kräftig, würzig und leicht harzig – wer ihn zum ersten Mal probiert, beginnt besser mit einer kleineren Menge und steigert nach Verträglichkeit. Als Muntermacher trinkt man ein bis zwei Tassen über Morgen und Vormittag verteilt.

Ätherisches Öl, Bad und Duft

Neben dem Tee wird Rosmarin traditionell auch über das ätherische Öl genutzt – allerdings äusserlich. Wenige Tropfen auf ein Taschentuch oder in eine Duftlampe geben den belebenden Duft an den Raum ab, und ein fertiger Rosmarin-Badezusatz gilt seit Langem als anregendes Morgenbad. Reines ätherisches Öl gehört jedoch nicht unverdünnt auf die Haut und schon gar nicht in den Mund; für die innerliche Anwendung ist der Tee gedacht. Eine ähnlich frische, wach machende Note bringt übrigens die Pfefferminze in ihrer Anwendung – auch sie wird eher für den Tag als für den Abend geschätzt. Die folgende Übersicht fasst die gängigen Anwendungsformen zusammen.

FormZubereitungTimingGut zu wissen
Rosmarintee1–2 TL Nadeln, 250 ml, 5–10 Min. abgedecktMorgen & Vormittagkräftig – klein beginnen
Ätherisches Öl (Duft)wenige Tropfen zum Inhalieren oder als Raumduftbei Morgentiefnicht innerlich einnehmen
Rosmarin-Badezusatzfertiges Präparat nach Anleitung dosierenMorgenbadnicht bei Bluthochdruck/Herzschwäche
Küchengewürzals Gewürz an Speisentäglichunbedenkliche Alltagsmenge
< 100 mmHgOrientierungswert, ab dem oft von niedrigem systolischem Blutdruck gesprochen wird.
1–2 TLRosmarinnadeln je Tasse für einen Aufguss als Muntermacher.
5–10 Min.Übliche Ziehzeit, abgedeckt, damit die ätherischen Öle in der Tasse bleiben.

Bluthochdruck, Timing und Grenzen

So sanft der Rosmarin daherkommt – als gezielter Kreislauf-Anreger ist er nicht für jede und jeden gedacht. Wer zu hohem Blutdruck neigt, sollte Rosmarin nicht bewusst als Muntermacher einsetzen: Ein Kraut, das den Kreislauf in Schwung bringen soll, ist bei bereits erhöhten Werten schlicht nicht sinnvoll. Als Gewürz in üblichen Küchenmengen bleibt Rosmarin dabei unbedenklich; gemeint sind der starke Tee, die Kur mit ätherischem Öl und vor allem das anregende Rosmarinbad. Solche Bäder werden bei Bluthochdruck, Herzschwäche sowie bei grossflächigen Hautverletzungen traditionell gemieden. Im Zweifel entscheidet die Rücksprache mit Arzt oder Apotheke.

Auch das Timing gehört dazu. Weil Rosmarin als anregendes Kraut gilt, passt er in die erste Tageshälfte, nicht in den Abend. Am späten Abend getrunken, könnte der belebende Aufguss bei empfindlichen Menschen das Zur-Ruhe-Kommen und Einschlafen stören – ähnlich, wie man abends besser keinen starken Kaffee mehr trinkt. Wer den Tag ruhig ausklingen lassen möchte, greift für den Abend eher zu einem beruhigenden Kraut, etwa zum Lavendel zur Entspannung. Rosmarin und Abendruhe sind schlicht kein gutes Paar.

Einordnung. Für den traditionellen Ruf des Rosmarins als Kreislaufmittel gibt es einen nachvollziehbaren Rahmen: Fachmonografien führen die äusserliche Anwendung des ätherischen Öls bei leichten Durchblutungsbeschwerden und als Badezusatz als traditionell verwendet auf, und eine kleine Studie stützt den Einsatz bei niedrigem Blutdruck. Belastbare, grosse Untersuchungen fehlen jedoch, und ein Muntermacher-Effekt lässt sich zu einem guten Teil auf Duft, Wärme und Ritual zurückführen. Rosmarin ist damit eine traditionell geschätzte, sanfte Unterstützung des Wohlbefindens – kein Arzneimittel gegen Kreislaufbeschwerden.

Sicherheit zuerst. Rosmarin dient dem Wohlbefinden und ersetzt keine ärztliche Abklärung. Wer schwanger ist oder stillt, sollte konzentrierte Zubereitungen und ätherisches Öl meiden und bei Kräuteranwendungen Rücksprache halten; das gilt auch bei Bluthochdruck, Herz- oder Nierenerkrankungen und bei der Einnahme von Medikamenten. Häufige Ohnmachtsanfälle, anhaltender oder starker Schwindel sowie plötzlich sehr niedrige Werte gehören ärztlich abgeklärt, da auch andere Ursachen dahinterstecken können. In einem medizinischen Notfall gilt in der Schweiz die Notrufnummer 144.

Häufige Fragen

Wie regt Rosmarin den Kreislauf an?

Rosmarin gilt traditionell als anregendes, belebendes Kraut. Der intensive, harzig-frische Duft des ätherischen Öls wirkt als Sinnesreiz, und die Bitterstoffe der Blätter unterstützen überliefert die Verdauung. Wie stark der Kreislaufeffekt tatsächlich ist, ist wissenschaftlich nicht abschliessend geklärt; belegt ist vor allem die lange Erfahrung. Als Muntermacher wird Rosmarin vor allem morgens und am Vormittag geschätzt.

Hilft Rosmarin bei niedrigem Blutdruck?

Bei niedrigem Blutdruck wird Rosmarin traditionell als sanfter Muntermacher verwendet. Eine kleine kontrollierte Studie mit ätherischem Rosmarinöl deutet darauf hin, dass sich die Werte bei dauerhaft niedrigem Blutdruck über die Anwendungszeit dem Normalbereich annähern und das Wohlbefinden steigen kann. Die Datenlage ist dünn und ersetzt keine ärztliche Abklärung. Bei Ohnmachtsanfällen oder starkem Schwindel gehört die Ursache abgeklärt.

Wie bereitet man Rosmarintee als Muntermacher zu?

Ein bis zwei Teelöffel getrocknete Rosmarinnadeln – oder einen kleinen frischen Zweig – mit rund 250 ml heissem Wasser übergiessen und abgedeckt fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Der Geschmack ist kräftig und würzig; wer ihn als Muntermacher nutzt, trinkt ein bis zwei Tassen über den Morgen und Vormittag verteilt, nicht am späten Abend.

Darf man Rosmarin bei Bluthochdruck anwenden?

Als Gewürz in üblichen Küchenmengen gilt Rosmarin auch bei Bluthochdruck als unbedenklich. Gezielt als kreislaufanregendes Mittel – etwa als starker Tee, als Kur mit ätherischem Öl oder als Rosmarinbad – ist er bei erhöhtem Blutdruck jedoch nicht die erste Wahl und sollte nur nach Rücksprache mit Arzt oder Apotheke eingesetzt werden. Rosmarinbäder werden bei Bluthochdruck und Herzschwäche traditionell gemieden.

Warum sollte man Rosmarintee nicht am Abend trinken?

Weil Rosmarin traditionell als anregendes Kraut gilt, das den Kreislauf in Schwung bringen soll, passt er besser in die erste Tageshälfte. Am späten Abend getrunken, könnte er bei empfindlichen Menschen das Zur-Ruhe-Kommen und Einschlafen stören. Für den Abend eignen sich eher beruhigende Kräuter.

Quellen

  1. Fernández LF, Palomino OM, Frutos G. Effectiveness of Rosmarinus officinalis essential oil as antihypotensive agent in primary hypotensive patients and its influence on health-related quality of life. J Ethnopharmacol. 2014;151(1):509–516. doi:10.1016/j.jep.2013.11.006.
  2. European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). European Union herbal monograph on Rosmarinus officinalis L., aetheroleum bzw. folium. Amsterdam: EMA.
  3. Blumenthal M et al. (Hrsg.). The Complete German Commission E Monographs – Rosmarini folium/aetheroleum. Austin/Boston: American Botanical Council; 1998.
  4. ESCOP – European Scientific Cooperative on Phytotherapy. ESCOP Monographs: Rosmarini folium. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2003.