Florakur
Pflanzenporträt

Ringelblume (Calendula): das Hautkraut

Ein leuchtend orangegelber Klassiker aus dem Bauerngarten – seit Jahrhunderten als Kraut für die Haut überliefert.

Kaum eine Pflanze steht so sinnbildlich für die Hautpflege aus dem Garten wie die Ringelblume. Ihre strahlend orangegelben Blütenkörbchen leuchten von Juni bis in den Herbst hinein, und schon in mittelalterlichen Klostergärten galt Calendula officinalis als geschätztes Heilkraut. Bis heute taucht sie in unzähligen Salben, Cremes und selbst angesetzten Ölauszügen auf – meist mit einem einzigen, überlieferten Schwerpunkt: der äusserlichen Anwendung auf der Haut. In diesem Porträt ordnen wir ein, was traditionell über die Ringelblume bekannt ist, wie man Salbe und Ölauszug ansetzt und wo die Grenzen der Anwendung liegen.

Die Ringelblume im Steckbrief

Die Ringelblume ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie ist anspruchslos, sät sich im Garten oft selbst aus und bildet dichte, gefüllte Blütenkörbchen in warmen Orange- und Gelbtönen. Für die traditionelle Anwendung werden fast ausschliesslich die Blüten verwendet, in der Fachsprache Calendulae flos genannt. Als Teil unseres Heilpflanzen-Ratgebers reiht sie sich ein in die Reihe der klassischen Küchen- und Gartenkräuter, die seit Generationen weitergegeben werden.

Botanischer Name: Calendula officinalis L.
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Verwendete Teile: Blüten bzw. Zungenblüten (Calendulae flos)
Traditioneller Einsatz: äusserlich zur Pflege und bei kleinen Hautreizungen
Typische Formen: Salbe, Ölauszug (Mazerat), Tinktur, Aufguss für Umschläge
Wichtige Inhaltsstoffe: Triterpene (u. a. Faradiol-Ester), Flavonoide, Carotinoide, Schleimstoffe

12. Jh.Schon in mittelalterlichen Klostergärten als Heilkraut überliefert
3–4 Wo.Übliche Reifezeit für einen selbst angesetzten Ölauszug
Jun–OktBlütezeit, in der die orangegelben Blütenkörbchen geerntet werden

Traditionell ein Kraut für die Haut

Die Ringelblume ist in erster Linie ein Hautkraut. In der überlieferten Pflanzenheilkunde wird sie äusserlich geschätzt, um raue und trockene Hautpartien zu pflegen und kleine, oberflächliche Hautreizungen zu begleiten. Auch europäische Fachgremien beschreiben die Ringelblume ausdrücklich als traditionelles pflanzliches Mittel: Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA/HMPC) führt Calendulae flos als traditionell angewendetes Mittel zur äusserlichen Pflege bei kleinen Hautentzündungen und als Hilfe bei der Heilung kleiner, oberflächlicher Wunden. Diese Einstufung beruht ausdrücklich auf der langen Erfahrung der Anwendung, nicht auf einem Versprechen, eine Krankheit zu heilen.

Wichtig ist die Betonung des Wortes „klein“: Gemeint sind alltägliche, harmlose Hautstellen – etwa nach leichter Beanspruchung, bei Trockenheit oder oberflächlicher Rötung. Grössere, tiefe, stark blutende oder entzündete Wunden gehören dagegen nicht in die Selbstbehandlung. Traditionell reicht das Spektrum von der schlichten Pflege der Haut bis zu Umschlägen; innerlich spielt die Ringelblume eine deutlich kleinere Rolle als äusserlich.

Was in den Blütenblättern steckt

Der charakteristische Farbton der Blüten kommt von den Carotinoiden, einer Gruppe gelb-orange gefärbter Pflanzenstoffe. Für die hautbezogene Tradition der Ringelblume werden vor allem die Triterpene verantwortlich gemacht – insbesondere die sogenannten Faradiol-Ester, die in der Forschung als entzündungshemmend beschriebene Leitsubstanzen der Blüte gelten. Dazu kommen Flavonoide, Schleimstoffe und ein geringer Anteil ätherischer Öle.

Dieses Zusammenspiel erklärt, warum die Ringelblume traditionell so gern in fetthaltige Grundlagen eingearbeitet wird: Die fettlöslichen Triterpene lassen sich gut in Öl oder Salbe überführen. Wer sich für die einzelnen Wirkstoffgruppen von Heilpflanzen interessiert, findet im Ratgeber eine eigene Übersicht dazu; die Ringelblume ist ein gutes Beispiel dafür, dass nicht ein einzelner Stoff, sondern das gesamte Vielstoffgemisch den Charakter einer Pflanze ausmacht.

Salbe, Ölauszug und Tinktur

Die Ringelblume lässt sich auf mehrere klassische Arten zubereiten. Am bekanntesten ist der Ölauszug, auch Mazerat genannt: Dafür übergiesst man getrocknete Ringelblumenblüten in einem sauberen Glas vollständig mit einem hochwertigen Pflanzenöl, lässt das Ganze rund drei bis vier Wochen an einem warmen Ort ziehen, schüttelt täglich und seiht die Blüten anschliessend ab. Entscheidend ist, ausschliesslich gut getrocknete Blüten zu verwenden – Restfeuchte kann dazu führen, dass das Öl verdirbt oder schimmelt.

Aus einem solchen Ölauszug lässt sich mit etwas Bienenwachs eine einfache Salbe rühren. Daneben gibt es die Tinktur, einen alkoholischen Auszug, den man verdünnt für Umschläge oder Spülungen nutzt, sowie den wässrigen Aufguss für frische Umschläge. Die grundlegenden Techniken – vom Ansetzen bis zur richtigen Ziehzeit – erklären wir im Ratgeber ausführlich; die folgende Übersicht ordnet die gängigen Formen und ihre traditionelle Anwendung.

ZubereitungGrundlageTraditionelle AnwendungHinweis
Ölauszug (Mazerat)fettes PflanzenölPflege rauer, trockener HautpartienBasis für Salben; nur trockene Blüten
SalbeÖl + Bienenwachspunktuell auf kleine Hautstellenselbst gerührt oder fertig gekauft
TinkturAlkohol-Auszugverdünnt für Umschläge und Spülungennicht unverdünnt auf offene Haut
Aufguss (Tee)heisses WasserUmschläge, Mund- und Rachenspülungfrisch zubereiten und verwenden

Sicher anwenden: Grenzen und Vorsicht

So mild die Ringelblume gilt – ein paar Punkte sind wichtig. Als Korbblütler kann sie bei entsprechend veranlagten Personen Kontaktallergien auslösen. Wer auf andere Korbblütler wie die ebenfalls beliebte Kamille oder auf Arnika allergisch reagiert, sollte vorsichtig sein und die Anwendung im Zweifel meiden. Bei der erstmaligen Anwendung kann ein kleiner Test an einer unauffälligen Hautstelle sinnvoll sein.

Die äusserliche Anwendung auf kleiner Fläche gilt allgemein als gut verträglich. Anders als bei milden Beruhigungskräutern wie der Zitronenmelisse, die man vor allem als Tee trinkt, steht bei der Ringelblume klar die äusserliche Nutzung im Vordergrund. Alkoholische Tinkturen sollten nie unverdünnt auf offene Haut gelangen, weil sie brennen und reizen können.

Gut zu wissen: Die Ringelblume ist ein traditionell genutztes Kraut zur äusserlichen Pflege und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Behandlung. Bei Schwangerschaft, Stillzeit, bei kleinen Kindern sowie bei grossflächiger oder innerlicher Anwendung ist Zurückhaltung angebracht. Grössere, tiefe, stark blutende oder infizierte Wunden sowie Beschwerden, die anhalten oder sich verschlimmern, gehören ärztlich abgeklärt – in Notfällen gilt in der Schweiz die Notrufnummer 144.

Häufige Fragen

Wofür wird die Ringelblume traditionell verwendet?

Die Ringelblume wird traditionell äusserlich für die Haut geschätzt – etwa zur Pflege von rauen, trockenen Hautpartien und zur unterstützenden Anwendung bei kleinen, oberflächlichen Hautreizungen. Üblich sind Salben, Ölauszüge und Umschläge. Es handelt sich um eine überlieferte Anwendung, nicht um einen Ersatz für ärztliche Behandlung.

Wie setze ich einen Ringelblumen-Ölauszug an?

Für einen Ölauszug übergiesst man getrocknete Ringelblumenblüten in einem sauberen Glas vollständig mit einem hochwertigen Pflanzenöl. Das Glas lässt man rund drei bis vier Wochen an einem warmen Ort ziehen, schüttelt es täglich und seiht die Blüten danach ab. Nur getrocknete Blüten verwenden, damit das Öl nicht verdirbt.

Darf man Ringelblume auf offene Wunden geben?

Traditionell wird die Ringelblume nur bei kleinen, oberflächlichen Hautstellen verwendet. Grössere, tiefe, stark blutende oder infizierte Wunden gehören in ärztliche Hände. Alkoholische Tinkturen sollte man nicht unverdünnt auf offene Haut geben, weil sie brennen und reizen können.

Ist die Ringelblume für Schwangere und Kinder geeignet?

Die äusserliche Anwendung auf kleiner Fläche gilt allgemein als mild. Bei Schwangerschaft, Stillzeit und bei kleinen Kindern sowie bei grossflächiger oder innerlicher Anwendung ist Zurückhaltung angebracht; im Zweifel ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einholen.

Kann die Ringelblume Allergien auslösen?

Als Korbblütler (Asteraceae) kann die Ringelblume bei entsprechend veranlagten Personen Kontaktallergien auslösen. Wer auf Kamille, Arnika oder andere Korbblütler allergisch reagiert, sollte vorsichtig sein und die Anwendung im Zweifel meiden.

Kann man Ringelblume als Tee verwenden?

Ein Aufguss aus Ringelblumenblüten wird traditionell vor allem äusserlich genutzt – etwa für Umschläge oder als Mund- und Rachenspülung. Für solche Zwecke bereitet man ihn frisch zu. Im Vordergrund steht bei der Ringelblume die äusserliche Anwendung.

Quellen

  1. European Medicines Agency (EMA/HMPC): Community herbal monograph on Calendula officinalis L., flos. Committee on Herbal Medicinal Products, 2018.
  2. ESCOP Monographs: Calendulae flos (Calendula Flower). European Scientific Cooperative on Phytotherapy.
  3. Kommission E: Monographie Calendulae flos (Ringelblumenblüten). Bundesanzeiger, 1986.
  4. WHO Monographs on Selected Medicinal Plants, Vol. 2: Flos Calendulae. World Health Organization, Genf, 2002.
  5. Arora D, Rani A, Sharma A. A review on phytochemistry and ethnopharmacological aspects of genus Calendula. Pharmacogn Rev. 2013;7(14):179–187. doi:10.4103/0973-7847.120520